13.07.02: Sporting Lokeren - VfB Stuttgart 0:1 (0:0)


Im Rückspiel der 2.Runde des Intertotocups ging es zum belgischen Teilnehmer Sporting Lokeren, da niemand sonst vom YNWA Zeit oder Lust aufbrachte dort hin zu fahren, schien es so als sollte ich mich allein auf den Weg machen.
Einen Tag vorm Spiel jedoch las ich im VfBtalk von Marcel aus Cochem, welcher eine Mitfahrgelegenheit suchte und so verabredeten wir uns für den nächsten Tag in Aachen.

Die Fahrt ereignete sich ohne größere Probleme bis auf Ausnahme eines Regengusses der uns einige Kilometer fast die komplette Sicht nahm und so fuhren wir um kurz vor 18 Uhr von der Autobahnausfahrt Lokeren herunter. Dort wurden wir schon von der belgischen Polizei empfangen, nach einer Durchsuchung des Autos, die natürlich ereignislos blieb, wurden wir nach einer kurzen Wartezeit auf weitere deutsche PKWs mit einer Polizeieskorte zum Stadion geleitet. In den kleinen Altbaugassen des Provinzstädtchen vorm Daknamstadion, benannt nach einer kleinen Ortschaft hinter der Anlage, waren schon ungewöhnlich viele Stuttgarter unterwegs, die Tavernen waren voll in deutscher Hand von Lokeren-Fans war noch nichts zu sehen.

Nachdem sich mein Mitfahrer seine Karte besorgt hatte - ursprünglich sollte es überhaupt keine Abendkasse geben sondern nur Vorverkauf bei dem der Ausweis fotokopiert werden musste, am Stadion verzichtete man auf diese Massnahme was diese im Nachheinein quasi wirkungslos erscheinen lässt - ging es rüber zum Stadion das noch geschlossen war. Trotzdem konnte man schon die Tribünen erkennen: Der Unkrautbewuchs erinnert an den Wildpark, die Tribünen an deutsche Regionalligisten (Bsp. RWE) allerdings mit VIP-Tribünen auf der Haupttribüne, die seltsamerweise nur über eine Hälfte des Spielfeldes reichte. Die Gästetribüne hatte unten einen Stehplatzbereich, darüber einen Oberrang mit Sitzplätzen.

Nach anfänglich unterschiedlichen Auslegungen der Berechtigung der Karteninhaber durch die Ordner dürften letztendlich alle in den Oberrang. Bis 10 Minuten vor Anpfiff waren noch keine 20 Belgier - abgesehen von Ordnern und Polizisten welche zahlreich präsent waren - im Stadion. Zum Anpfiff werden wohl so 2000 Belgier sowie gut 500 VfB-Fans vor Ort gewesen sein. Der Support schien anfangs gut, als jedoch "Cottbus und der VfB"-Gesänge angestimmt wurden, kam es zu grösseren Diskussionen um die Notwendigkeit dieses Supports nur weil Mitglieder der Stuttgarter Ultraszene mit dem "Inferno Cottbus" befreundet sind und deswegen ein Bus mit Cottbusern in Belgien dabei waren. Respekt vor dieser tatkräftigen Unterstützung aber diese Freundschaft ist eine private zwischen zwei Ultragruppierungen unterschiedlicher Vereine und hat mit den beiden Clubs VfB sowie Energie direkt nichts zu tun. Das andere diese Gesänge überhaupt nicht akzeptieren, da sie diesen Verein nicht mögen und nicht wollen das "ihr" Verein mit diesem in einem Atemzug genannt wird, ist gut zu verstehen.
Neben dieser Aktion fielen auch die gegen belgische Teams leider schon zur Tradition gewordenen "Kinderschänder"-Gesänge auf. Manche Leute scheinen halt nie zu lernen. Außerdem wurden noch zwei Bengalos gezündet, was wohl in Belgien nicht verboten scheint, da es vor dem Stadion keine Einlasskontrollen gab. nachdem die "CB-Diskussion" grösstenteils beendet war, wurde der Support wieder besser.

Das VfB-Spiel an diesem Abend bot leider nicht sehr viel, im Gegensatz zum Hinspiel war die Mannschaft - in der Hinkel Amanatitis ersetzte und Ganea anstatt Dundee stürmte - wieder defensiver aufgestellt. Lokeren hatte zwar kaum Chancen, hatte allerdings eindeutig mehr Spielanteile, die Stuttgarter Konter wurden leider immer sehr fahrlässig verspielt. Und so war man erstaunt als dann plötzlich in der Nachspielzeit doch noch der Siegtreffer durch Alex Hleb gelang.

Der Grossteil der VfB-Fans war nun nach unten gestürmt um die Mannschaft zu verabschieden, einige kletterten auf die Zäune, wodurch sich die Polizisten genötigt fühlten sich in Kampfmontur auf den Weg zu den Zäunen aus Richtung Spielfeld zu machen. Nachdem die Zäune auf Bitten der Polizei wieder verlassen wurden, blieb es bei der Androhung einer möglichen Einschreitung.

Am Parkplatz (eigentlich ein Feldweg der einseitig beparkt war) hatte die belgische Polizei bereits eine Zweiliniengrenze mit Stacheldraht (!) aufgebaut, die von zahlreichen Polizisten in Kampfmontur sowie dutzenden Einsatzwagen beschützt wurde. Da allerdings die Fahrt in die andere Richtung erlaubt war, gelang man über ein paar Dörfer zur Autobahnauffahrt. Bis Antwerpen gab es keine Probleme, doch die Ausschilderung schien sehr konfus weswegen wir versehentlich einen kurzen Schlenker Richtung Nordsee machten und plötzlich vor einer Mautstation für einen Mündungstunnel standen, nachdem man den total überteuerten Betrag von 3,50 Euro bezahlt hatte, kamen wir schnell wieder auf die richtige Autobahn und waren um kurz vor Mitternacht in Aachen.

CJ