FK Molde – VfB Stuttgart
Bevor es in die nächste Runde der Euro-League geht, soll ein kurzer Rückblick zur Reise nach Molde folgen.
Am Dienstag, den 27.07.2010 startete ich, letztes Überbleibsel der zehn kleinen Negerlein, zur ersten Etappe der Zugreise nach Molde um 9.27 Uhr im Stuttgarter Hauptbahnhof, nachdem ich am Abend zuvor erst aus Bern nach Stuttgart angereist war. Die Entscheidung, mit dem Zug zu reisen, fiel kurzfristig mangels Reiseangebote seitens des VfB und nach Abklärung zweier Mitfahrmöglichkeiten (9er-Busse), die jedoch schon voll besetzt waren.
Nach der Zwischenstation Hamburg, wo der Umstieg in einen entsetzlich vollen ICE nach Kopenhagen erfolgte, folgte in Puttgarden der Verlad des Zuges auf eine Fähre, die mir den duty-free-Einkauf diverser Vorräte an Luxuskonsumgütern – anderswo auch Alkohol genannt – ermöglichte, im Wissen um skandinavische Preise...
Über Kopenhagen ging es in einer S-Bahn unter Platzverhältnissen, wie sie sonst nur in Tokios S-Bahnen herrschen mögen, weiter in die Hafenstadt Malmö, eine Stadt, die ich sicherlich außerhalb des Rahmens Fußball bereisen werde. Um kurz vor 23 Uhr ging es mit einem Nachtzug weiter. Über Stockholm erreichte ich so Oslo pünktlich am Mittwoch, 28.07., 09.30 Uhr. Geschlafen hatte ich nicht großartig. Nach dem obligatorischen Besuch des Touri-Infobüros (Stadtplan besorgen), dem ersten Anzapfen des Bankautomaten und der Verstauung meines Gepäcks im Bahnhof-Schließfach ging ich bei Sonnenschein und angenehmen 20 Grad auf Stadt-Tour durch Oslo. Ich sollte irgendwann im Laufe des Nachmittags/Abends von einer Gruppe um Thomas Angerbauer aufgegabelt werden. So hatte ich reichlich Zeit, die Shoppingmeile, die königliche Residenz, das Rathaus sowie die Strandpromenade zu erkunden. Schließlich ließ ich mich mit einem Schmöker dort nieder und holte mir prompt einen Sonnenbrand. Gegen 14 Uhr, ich stand gerade an der Mövenpick-Eisbude (was der Bauer net kennt, frisset er net), krähte es auf einmal von hinten: „Fährst du auch nach Molde zum Spiel?“. Mein VfB-Schal, an den Griff meines Rucksacks geknotet, hatte mich verraten. Es war Michael Scholz, auch genannt „Badenser“. Gemeinsam tourten wir durch die Neubauten hinter der Strandpromenade und machten abermals einen Besuch in der Touri-Info, diesmal zur Besorgung von Straßenkarten-Material.
Endlich, gegen Abend, traf ein Teil unserer später 12 Köpfe umfassenden Gruppe im Mietauto vom Flughafen Rygge in Oslo ein, um uns aufzugabeln. Um 23.30 Uhr, nach Transfer zum Flughafen Gardermoen, waren wir endlich vollständig. Zwei Mietwagen à 4 Personen machten sich auf den beschwerlichen Weg nach Molde; ein weiteres Auto der Gruppe hing noch hinter uns. Wenige Kilometer nach dem nördlich von Oslo gelegenen Flughafen Gardermoen geht die Autobahn in Landstrasse über. Von nun an ging es mit Durchschnittstempo 60 weiter. Unglaublich, dass die Norweger gar dafür noch Maut verlangen. Gegen 5 Uhr beschlossen wir, uns einige Stunden Schlaf zu gönnen, sofern man in zu viert in einem Renault Clio von „gönnen“ sprechen kann. Um 8 Uhr ging es weiter, sodass wir gegen 10 Uhr auf die kleine Fähre kurz vor Molde fahren konnten. Dort trafen wir das erste Mal auf weitere VfB-Fans, hier auf eine 4er-gruppe, die den Weg mit dem Auto von Stuttgart auf sich genommen hatten. In Molde angekommen, deponierten wir unser Gepäck im Hostel und gingen frühstücken. Nach endgültigem Einchecken im Hostel, wobei wir Hannes und eine größere Anzahl von CC-Mitgliedern trafen, nutzten wir die freie Zeit und unsere fahrbaren Untersätze zur Erkundung der sogenannten Atlantik-Straße, die wenige Kilometer hinter Molde beginnt. Auf dem Rückweg durfte der Stopp zum Auftanken – nicht des Autos, sondern der Alkohol-Vorräte – nicht fehlen. Kurz darauf ging es schon in Richtung Anker-Stadion, gut zu Fuß vom Hostel aus zu erreichen. Das Stadion ist ein 11.200 Zuschauer fassender Bau eines lokalen Architekten, der von außen eher einem Unternehmenssitz ähnelt als einem Stadion. Im Umfeld des Stadions hatten sich schon weitere Fans niedergelassen; unter anderem auch zwei Freunde aus Gundelsheim, die wir schon in Oslo gekreuzt hatten.
Das Vorglühen (in Norwegen übrigens Vorspiel genannt) erfolgte nach dem Konsum mitgebrachter und im Supermarkt gekaufter Alkoholika von 3 bis 45 Vol.-% in der Molde-Fankneipe 200 m vom Stadion entfernt an Moldes Hauptstraße. Bei strahlendem Sonnenschein ging es langsam ins Stadion, um die Vouchers (jaja, die Anglizismen haben auch beim VfB-Einzug erhalten) für die Karten einzulösen. Gemäß Ralph Klenk, persönlich in Molde zugegen, begleiteten insgesamt an die 100 VfB-Anhänger den Verein nach Norwegen.
Das Spiel sahen wir vom Oberrang der östlichen kurzen Seite des Anker-Stadions – somit das ganze Spiel über von der Sonne geblendet. Das Stadion war leider nicht einmal zur Hälfte gefüllt und auch von den spärlich gesäten aktiven Molde-Supporters war nur dann und wann ein wenig etwas zu hören. Das Spiel bot objektiv gesehen viele Tore; Fußball auf höherem europäischen Niveau suchte man jedoch vergebens, auch wenn der FK Molde überraschend nach vorne spielte und die sich ihnen bietenden Chancen auch nutzten. Nach dem Spiel ging es, norwegische Preise hin oder her, in der Molde-Kneipe und schließlich in einer spelunkig anmutenden Hafen-Kneipe weiter, bevor der Rückzug zum Konsum weiterer Spirituosen in das Hostel erfolgte. Sonnenuntergang? Fehlanzeige, zumindest nicht vollständig; und gegen 4 Uhr in der Nacht ist es schon wieder beinahe taghell...
Kurz vor 11 Uhr am Freitag morgen – ein Auto hatte sich schon etwas früher auf den Weg nach Oslo gemacht – ging es mit großem Sightseeing-Plan zurück in Richtung Norwegens Hauptstadt. Nach Überwindung der Trollstigen, einer Passstraße vor einem imposanten Wasserfall, ging es auf einer Fähre durch den Greiganger-Fjord, seines Zeichens UNESCO-Weltkulturerbe. Leider spielte das Wetter nicht mit, sondern zeigte sich von seiner englischen Seite. Durch das langsame Vorankommen und einsetzender schwerer Regenfälle mussten wir eine Autostunde vor Lillehammer gegen 23.15 Uhr am Freitagabend kapitulieren und uns in ein Lodge einquartieren. Kurz zuvor hatte uns ein Elch die Ehre erwiesen, indem er vor uns die Straße überquerte. Laut einem Reiseführer muss man zum Teil fünfmal nach Norwegen reisen, bevor man einen zu Gesicht bekommt... Doch genau das sollte am nächsten Morgen gerade wieder passieren: wir fuhren auf dem Weg nach Lillehammer, zugegeben in etwas größerer Entfernung, an zwei äsenden Elchen vorbei.
Nach dem obligatorischen Fotografieren der olympischen Skisprung-Schanze in Lillehammer „landeten“ wir endlich wieder in Oslo. Mit viel Mühe wurde ein Quartier für die Nacht gefunden – alles ausgebucht, da in Oslo das weltgrößte Jugendfußballturnier ausgerechnet an diesem Wochenende stattfand. Die Gruppe teilte sich – einige besuchten ein Ligaspiel von Lilleström, einige, darunter meine Wenigkeit, erkundeten das Wikinger- und Fram-Museum. Die Abendgestaltung erfolgte in Kleingruppen in lokalen Gaststätten und Bars.
Am nächsten Morgen, Sonntag, den 01.08.2010, verließ mein Zug um 07.25 Uhr den Bahnhof Oslo. Über zwei Zwischenstationen gelangte ich nach Kopenhagen, wo mich ein CNL nach Würzburg und von dort ein Regionalexpress nach Stuttgart führte, sodass ich mit reichlich Eindrücken und noch mehr Übermüdung um kurz vor 10 Uhr am 02.08.2010 Stuttgart Hauptbahnhof erreichte. VfB Stuttgart, lieben dich soooo, ob nah ob fern, wo du auch spielst, wir folgen dir...
Kickergirl/Alex
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