Saisonvorschau
Gute 8 Wochen ist es her, dass Fernando Meira die Meisterschale in den Stuttgarter Himmel regte und damit in und um Stuttgart eine Euphorie loslöste, die man so in Stuttgart noch nicht kannte. Dies sollte auch Herr Schuster im Rathaus endlich mal merken, statt dem VfB fast immer Knüppel zwischen die Beine zu werfen und im Erfolgsfall plötzlich mit einem VfB-Schal herumzulaufen, das ist alles andere als glaubwürdig. Aber ich schweife vom Thema ab.
Es war also der 19.Mai 2007 im letzten Bundesligaspiel der Saison 2006/07 gegen Cottbus als nicht nur Hitz´ Hammer im Tor explodierte sondern auch die ganze VfB-Anhängerschaft, die sprunghaft auf eine Viertelmillion allein in Stuttgart anschwoll. Das Pokalendspiel, auf das man wochenlang hingefiebert hatte, verlor schon nach der Übernahme des Platzes an der Sonne in Bochum etwas an Wert, aber in so einer Situation kann man damit gut leben. Das unglückliche Aus in der Verlängerung im Berliner Olympiastadion habe ich trotz allem aber bis heute noch nicht ganz überwunden. Aber Berlin war für mich noch nie eine Reise wert.
Aber jetzt zur Gegenwart, es haben zwar sehr viele Spieler den VfB verlassen, aber mit Timo Hildebrand lediglich ein Stammspieler. Ich wünsche Timo, Hildebrand, Marco Streller, der bereits bei seinem Comeback für Basel traf, Benjamin Lauth, Markus Babbel, Heiko Gerber und Dirk Heinen alles Gute für ihre weitere Karriere bzw. ihr weiteres Leben. Christian Gentner wurde für 2 Jahre nach Wolfsburg ausgeliehen, um endlich den entscheidenen Schritt zur Bundesligakarriere zu nehmen, reiß dir den Arsch auf und komm zurück als gestandener Bundesligaprofi. Die Missverständnisse Tomasson, Carevic und Elson konnten auch endlich geklärt werden, so bleibt nur noch ein Stinktier über.
Bei den Neuzugängen setzte man eher auf Klasse satt Masse. Im Tor übernimmt Raphael Schäfer, in der Abwehr verstärkt Gledson den weiteren Kader. Im Mittelfeld soll Bastürk die Fäden ziehen und im Sturm sollen Ewerthon und Marica (soll so weit in trockenen Tücheren sein) dem etablierten Sturmpärchen Druck machen. Außerdem wurde mit dem erst 18jährigen Georges Mandjeck ein noch ungeschliffenes Juwel für das rechte und defensive Mittelfeld geholt.
Taktisch sind wir weiterhin flexibel zwischen einem 4-4-2 und einem 4-3-3. In der Breite ist der Kader stärker und könnte so auch die Mehrfachbelastung in der Champions League überstehen. Wobei dies für mich eh kein Argument ist, unsere Spieler sind noch so jung und unverbraucht, dass die CL keine Mehrfachbelastung darstellt, sondern einen Motivationsschub gibt, auch in den Folgejahren in diesem Wettbewerb teilzunehmen. Spieler wie Tasci, Khedira, Gomez oder auch Boka haben ihren Zenit noch lange nicht erreicht und werden uns noch sehr viel Freude bereiten.
Der negativste Aspekt der Vorbereitung waren die Verletzungen und die ewige Warterei auf die beiden Stürmer. Delpierre fällt mit seinen Problemen an der Patellasehne und seiner OP noch monatelang aus, sein Stellvertreter Tasci laboriert immer noch an den Folgen eines Innenbandanrisses. Bastürk hat seine übliche Zerrung, Hitz Probleme mit der Achillessehne. Zuletzt verletzte sich Khedira und hatte nach ersten schlimmeren Befürchtungen mit einem Kapseleinriss am Sprunggelenk noch Glück im Unglück. Pardo, Osorio, Ewerthon und wohl auch Marica haben nach ihrem späten Start in die Saisonvorbereitung noch Trainingsrückstand. So wären zwar zum Bundesligaauftakt gegen Schalke in gut 3 Wochen bis auf Delpierre alle Spieler einsatzbereit aber nicht unbedingt fit. Dies könnte zu Ende der Hinrunde noch zu Problemen führen.
Kommen wir zu den verschiedenen Mannschaftsteilen:
Tor: Hildebrand ist bekanntlich bei Valencia gelandet, Raphael Schäfer stand schon lange als Nachfolger fest, während man zur Winterpause da keinen großen Unterschied erkennen konnte, so ist der Hildebrand der Rückrunde ein größerer Verlust. Aber auch Schäfer ist kein schlechter Torwart und wird sich hier sicher schnell einleben. Seine Wahl in den Spielerrat spricht zumindest bereits für eine gute Integration inneralb der Mannschaft. Ersatztorwart wird wie im Vorjahr Michael Langer sein, der dem VfB im Vorjahr bei seinem Debüt immerhin einen Punkt gegen Wolfsburg rettete. Bis auf die Rolle des Sparringspartners im Training wird der von der TSG Hoffenheim zurückgekehrte Alexander Stolz keine große Rolle spielen. Frisch aus der A-Jugend stehen bei den Amateuren schon Sven Ullreich und Frank Lehmann in den Startlöchern.
Abwehr - Innenverteidiger: Die Stammverteidigung Meira - Delpierre ist gesprengt. Tasci wäre der erste Nachrücker, ist aber selber auch noch angeschlagen, so wird in den ersten Spielen Meira und Gledson die IV bilden müssen, sprachlich wird es hier keine Probleme geben, allerdings sind Gledsons Schwächen im Stellungsspiel und Taktik offensichtlich, er ist aber auch schnell und im Zweikampf körperlich robust. Zusätzlich wurde Marco Pischorn von den Amateuren zu den Profis beordert und macht seine Sache in den Testspielen bislang so weit ganz gut.
Abwehr - Außenverteidiger: Links ist es relativ übersichtlich Magnin und Boka kämpfen um den freien Platz. Boka scheint derzeit die Nase knapp vorn zu haben, dies kann sich aber schnell ändern, was man auch im Vorjahr sehen konnte. Defensiv macht Magnin dem Fan öfters Magenschmerzen, dafür macht er offensiv immer viel Dampf. Boka ist insgesamter kompakter, allerdings durch seine Größe im Zweikampf im Nachteil, jedoch am Ball trickreicher und nicht so berechenbar wie Magnin.
Rechts ergeben sich mehr Möglichkeiten, auch wenn Osorio hier die erste Wahl sein dürfte. Allerdings könnten hier wegen dessen Trainingsrückstand auch andere Alternativen ihre Chance bekommen. In der Vorbereitung kamen hier der offensivere Hilbert als auch Beck und Mandjeck zum Einsatz, die hier aber wohl nur wenig Einsatzzeiten in Pflichtspielen erhalten werden. Als größter Konkurrent zu Osorio gilt normalerweise Tasci, der aber nach der Verletzung Delpierres erstmal in der IV seinen Stammplatz haben dürfte, so fern er denn wieder fit ist.
Mittelfeld: Hier wird es das größte Gedränge auf den Positionen geben, lediglich Pardo auf der "6" und Hilbert rechts scheinen wirklich gesetzt zu sein. Zudem wirkt sich hier auch die taktische Ausrichtung größer aus. In einer 4-4-2-Taktik dürfte die Raute im Mittelfeld mit Bastürk an vordester Position als Spielmacher fungieren. Hier würden sich dann um die linke Position Hitzlsperger und Allrounder Khedira streiten sowie da Silva und Farnerud, die auch auf der Spielmacherposition denkbar wären. Die erste Alternative zu Hilbert und Pardo wäre auch wiederum Khedira, darüber hinaus Mandjeck rechts und Meißner defensiv. In einem 4-3-3 würde die Spielmacherposition wegfallen und dafür ein Außenstürmer mehr zum Einsatz kommen, diese Position könnte allerdings auch aus den Mittelfeldspielern rekrutiert werden, hier vor allem Hilbert oder Farnerud.
Sturm: Hier gibt es die meisten Änderungen, 50% des Sturms wurden ausgetauscht. Gomez wird weiterhin gesetzt sein. Cacau wird zumindest anfangs noch der feste Sturmpartner sein, allerdings werden Ewerthon und Marica, wenn sie ihren Trainingsrückstand aufgeholt haben, sehr viel Druck erzeugen und Cacau sich öfters auf der Bank wiederfinden. Ich hoffe er ist hier mental stärker als in den letzten Jahren, wo ihm dieser Zustand nicht sehr gut tat und er sich in sein Schneckenhaus zurückzog. Bei einem 4-3-3 wäre Gomez der Mittelstürmer und Ewerthon der rechte Außenstürmer, links könnte Cacau oder auch Farnerud zum Zuge kommen. Als 5. Stürmer wird Manuel Fischer vermehrt am Training teilnehmen, aber wohl nur im Verletzungsnotfall zu Einsatzzeiten kommen.

Prognose: Der VfB wird wieder um die ersten 3 Plätze und damit die Champions-League-Qualifikation mitspielen und diese letztendlich auch schaffen. Hierbei ist es richtig die Titelverteidigung nicht als Ziel vorzugeben um den Druck nicht zu erhöhen. Sollen doch lieber die von den Medien - insbesondere der Springerpresse - gehypten Bayern diese Rolle übernehmen. In deren so gelobten neuen überteuerten Mannschaft scheint Ribery der Schlüsselspieler zur Meisterschaft zu sein. Die Konkurrenz von Bremen und aus Schalke ist eher schlechter zu beurteilen als im Vorjahr, der VfB von den Einzelspielern eher besser, allerdings muss man sehen ob das starke Meisterkollektiv immer noch Bestand hat. Fraglich ob ein weiteres Team sich in die diese Konkurrenz einordnen kann. Kandidaten wären hier eventuell Hamburg oder Dortmund.
Ansonsten freue ich mich auf die Saison, die wir als Meister bereits freitags gegen Schalke eröffnen dürfen sowie auf geniale Auswärtsfahrten in der Champions Leaque. Lasst die Spiele beginnen...
CJ
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